Kafka, Zauber, Satire

In den Frühsommer verlegt, nämlich auf den 4. Juni (Dienstag 19.30 Uhr, Villa Ichon), wurde die Veranstaltung Literatur trifft Kleinkunst , die wie immer von Hans-Martin Sänger moderiert wird und diesmal auch bei Kafka-Fans Interesse wecken dürfte.

Die Kurzgeschichten der Gesa Schwarze muten häufig grotesk und bisweilen sogar schnoddrig an. Sie handeln von Menschen, die ihr eigenes Scheitern mit der maximal möglichen Lächerlichkeit betreiben. Zwei Männer prügeln sich im Watt wegen einer Wette und ignorieren dabei die auflaufende Flut. Eine Frau schneidet sich beim Telefonieren aus Versehen eine Arterie auf. Und ein Doppelselbstmord am Weihnachtsabend kämpft mit logistischen Schwierigkeiten... Gesa Schwarze schreibt vorzugsweise von Losern, erspart ihrem Publikum aber jegliches Mitleid.

Der gebürtige Nordire Ian Watson, seit 1972 in Bremen lebend, ist eines der bekanntesten Gesichter der hiesigen Literaturszene. Er hat an der Bremer Uni doziert, ein englischsprachiges Literaturmagazin herausgegeben und engagiert sich im Literaturhaus. Auch in seinen eigenen Texten ist Watson zweisprachig. Seine deutschen Texte, mal lyrisch, mal im Stil einer Reportage, lassen in ihrem bisweilen leicht absurden Humor die nordirische Herkunft des Autors durchschimmern. Ein inhaltlicher Schwerpunkte ist aber nicht nur das Wandern zwischen zwei Welten, sondern auch ganz konkret – der Fußball.

Jemand, der Elemente von Theater und Literatur in sich vereinigt und zu einer starken Bühnenpräsenz verdichtet, ist Gotthart Kuppel. In seiner Vergangenheit hat der ehemalige Arzt nahezu kein künstlerisches Genre ausgelassen; er war Theaterregisseur, Performer, Spaßmacher, Seiltänzer (!), bildender Künstler und eben Literat. Dem hundersten Todestag eines der größten deutschen Dichter hat er sein halbstündiges Programm ›Kafka aus dem Hut‹ gewidmet, in welchem er kurze und zum Teil weniger bekannte Texte von Franz Kafka präsentiert, die immer durch Geist, Tiefgang, sprachliche Klarheit und bisweilen sogar durch überraschenden Witz beeindrucken.

Für die Zwischentöne sorgt ein Musiker mit besten Entertainer-Qualitäten. Jürgen Schöffel, Gitarrist, Sänger und Songschreiber, Mitglied mehrerer Bands und aktiv in der Szene vernetzt, wird bekannte und weniger bekannte Songs und Instrumentals auf mitreißende Art darzubieten wissen.

Schließlich kommt auch das Auge auf seine Kosten. Johannes Arnold ist einer der bekanntesten und vielseitigsten Zauberer im Bremer Raum. Seil- und Kartentricks, Mentalmagie, Jonglage mit Keulen, Kisten oder mit bis zu sechs Bällen, vorgetragen mit Wortwitz und Humor – das Repertoire des Künstlers ist so breit, dass er auf dieser Veranstaltung – leider – nur einen kleinen Ausschnitt davon zeigen können wird.

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